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17.11.21 Die große Bisonjagd – Geschichte einer Beinahe-Ausrottung

Der Untergang der nordamerikanischen Bisons war eine ökologische Katastrophe, noch bevor dieses Wort überhaupt in den allgemeinen Sprachschatz einging.

Als die ersten spanischen Conquistadores vor fast 500 Jahren die nordamerikanischen Ebenen erreichten, zogen zwischen dem östlichen Waldland und der Kette der Rocky Mountains zwischen 40 und 60 Millionen Bisons über die weiten Grassteppen. Die gewaltigen Tiere waren, wie es poetisch hieß, die „Monarchen der Ebenen“.

Noch bevor amerikanische Kolonisten den Mississippi-Missouri erreichten, gab es östlich dieser Linie keine Bisons mehr. Bis Anfang der 1870er Jahre waren die Herden, über die der Entdecker John C. Fremont noch um 1840 geradezu schwärmerisch geschrieben hatte, „Die Bisonherden bilden die Romantik der weiten Prärien.“, so gut wie verschwunden. 

Mit dem Zusammenbruch des einzigartigen Ökosystems der amerikanischen Prärien und Plains kollabierte auch eine jahrhundertealte Kultur. Die Lebensweise der eingeborenen Völker dieser Region war völlig von der Existenz der Bisonherden abhängig. Der Bison war der Lebensspender der nomadischen Stämme Nordamerikas. Er versorgte die Indianer dieser Zonen nicht nur mit Nahrung und Kleidung, sondern lieferte auch die Grundlage ihrer spirituellen Existenz. Der Lebensrhythmus, die soziale Struktur der Völker, aber auch ihr Brauchtum und ihre Sitten, ihre gesamte religiöse Überzeugung basierten auf dem Bison.

Die Vernichtung dieser Tierart wurde für diese Menschen zum Desaster, von dem sie sich nie wieder erholten. Dass bis auf wenige Wissenschaftler die breite Öffentlichkeit diesem Massaker nicht Einhalt gebot, war dem kolonialen Geist der Zeit geschuldet: Die Vernichtung der Bisons und die damit verursachte kulturelle Verdrängung der Indianervölker war die Voraussetzung für die Eroberung des Kontinents, für die Anlage von Eisenbahnlinien, von Überlandwegen, von Farmen und Siedlungen.

Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die zeitgleich verlaufende industrielle Revolution. Die Massenproduktion von Waren aller Art in Fabriken erforderte weltweit hochwertige Antriebsriemen für Maschinen; dafür wurde das Bisonleder benötigt.

So ging in höchst profaner Weise eine Tierart unter, deren gigantische Herden bei Beobachtern nur wenige Jahrzehnte zuvor den Eindruck der Unerschöpflichkeit suggeriert hatte. Rückblickend stellt das Schicksal der Bisons ein Exempel dar, das noch für uns Heutige Wirksamkeit entfalten sollte: Nichts auf dieser Erde ist unerschöpflich, und wenn es auch noch so scheint.

Als in den 1890er Jahren einige wenige überlebende Bisons wiederentdeckt wurden, begann mit umfangreichen Schutzmaßnahmen ein Wiederaufbau der Herden.

In diesem Vortrag werden die natur- und kulturgeschichtlichen Aspekte ebenso behandelt wie die Abhängigkeit der Indianervölker, die Eroberungsbewegung der Pioniere und die grauenvolle Häutejagd, die fast zum Ende der Bisons führte, sowie die heutige Situation dieser nach wie vor höchst eindrucksvollen Spezies.
Dietmar Kuegler ist Nordamerikanist und Publizist, Autor von mehr als 60 Büchern und über 2.000 Artikeln zur amerikanischen Westbesiedelung. Seit 44 Jahren ist er Verleger und Herausgeber des MAGAZIN FÜR AMERIKANISTIK, des ältesten Periodikums für amerikanische Geschichte in Europa. Seine Recherchen haben ihn in den letzten vier Jahrzehnten in fast alle US-Bundesstaaten geführt.

Datum: Mittwoch. 17.11.

Uhrzeit: 19 Uhr

Veranstaltungsart: Vortrag

Referent: Dietmar Kuegler

Ort: Hermann-Ehlers-Haus der Hermann-Ehlers-Akademie, Gurlittstraße 1-3, 24106 Kiel

Kosten: kostenfrei

Anmeldung: info@amerika-gesellschaft.de

 

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