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2019-03-07 Bonnets und Petticoats: Frauen erobern den amerikanischen Westen

Die amerikanische „Mom“ ist ein ebenso klischeehaftes wie legendäres Symbol amerikanischer Sozial- und Gesellschaftsgeschichte. Die starke Pionierfrau, die ihren Mann gleichermaßen mit Hacke und Pflug, wie mit dem Gewehr in der Hand beim Aufbau der jungen Nation unterstützte. Die mit schwieligen Händen die Zügel des Planwagens auf dem Tausende Meilen weiten Weg in das gelobte Land im fernen Westen Nordamerikas führte. Die in windgepeitschten, baumlosen Prärien den Acker bearbeitete, Brunnen grub und das primitiv aus Grassoden gebaute Haus in Ordnung hielt.

Wie alle Klischees, enthält jedes dieser eindringlichen Bilder einige Wahrheiten. Aber die Geschichte der Frauen bei der Eroberung des amerikanischen Kontinents ist weitaus komplexer. Die Geschichtsschreibung hat die liebgewonnenen Formeln von einer quasi frauenlosen Gesellschaft, einer Pioniergesellschaft der unbeugsamen, hingebungsvollen Männer, längst korrigiert.

Die in populären Medien verbreiteten Mythen von den einsamen, entsagenden, geradezu zölibatär lebenden Eroberern halten einer wissenschaftlichen Prüfung nicht stand.

Nicht die Abenteurer in vom Faustrecht geprägten Boomtowns bauten Amerika auf, sondern Farmer und Heimstättensiedler. Es waren Familien. Und manche Frauen kamen sogar allein mit ihren Kindern.

Wer in den „Frontier“-Gebieten, an der Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis überleben wollte, musste stark sein. Hier war kein Platz für Heimchen am Herd. Die Pionierfrauen entwickelten Selbstbewusstsein. Sie erkannten ihre Fähigkeiten. Und sie verlangten Anerkennung. Sie schmeckten die Luft der Freiheit im amerikanischen Westen.

Sie waren der Treibsatz der Zivilisation. Sie bahnten den Weg vom Pionierland zu einer bürgerlichen Gesellschaft. Dafür forderten sie Rechte ein.

Während im amerikanischen Osten und in Europa Frauen noch nach Gleichberechtigung fragten, schuf der Rocky Mountain Staat Wyoming schon 1869 – vor genau 150 Jahren – das Wahlrecht für weibliche Bürger. Hier kandidierte erstmals weltweit erfolgreich eine Frau für das Amt einer Richterin. Wyoming sollte auch die erste Gouverneurin erhalten, die erste demokratisch gewählte Regierungschefin der neueren Geschichte.

Frauen bauten Farmen auf. Frauen sorgten für kulturelle Grundlagen in den Pioniersiedlungen an der Wildnisgrenze, für die Einrichtung von Schulen – wo überwiegend junge Frauen als Lehrerinnen einer neuen Generation Amerikaner arbeiteten. Sie standen für gesellschaftlichen Ausgleich, für geordnete Lebensverhältnisse – und manchmal auch für starren Puritanismus.

Ob mit dem typischen „Bonnet“ der Farmersfrau oder dem Petticoat der Saloontänzerin – sie prägten auf ihre Weise den „American Way of Life“. Sie sind bis heute das Vorbild für die selbstbewusste Amerikanerin, die ihr Leben in die eigenen Hände nimmt und sich ihren Anspruch, in der Gesellschaft gehört zu werden, nicht streitig machen lässt.

In seinem Vortrag über die Pionierfrauen schlägt Dietmar Kuegler eine Brücke von der Zeit der Landnahme im amerikanischen Westen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.

Dietmar Kuegler, Jg. 1951, ist Nordamerikanist und Publizist. Autor von ca. 60 Büchern und über 2.000 Artikeln zur Geschichte der amerikanischen Westbesiedelung. Seit 43 Jahren ist er Verleger und Herausgeber des MAGAZIN FÜR AMERIKANISTIK.

 

Datum: 07.03.19
Uhrzeit: 19:00 Uhr
Art: Vortrag mit Bildern
Referent: Dietmar Kuegler
Ort: Hermann Ehlers Akademie, Niemannsweg 78, 24105 Kiel
Eintritt: frei

 

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